Die insgesamt knapp 24 Stunden dauernde Anreise von Deutschland auf die Philippinen war schon so aufgeladen mit Gedanken und Eindrücken, dass man diesen Flug- und Warte-Tag diesmal getrost als Reisebeginn zählen darf. Jetzt wartet Manila auf uns. 

Die philippinische Hauptstadt Manila ist ein überdrehter Riese mit vielen Gesichtern, der Neuankömmlinge wie uns binnen Stunden einfach platt macht. 13% der Philippiner leben in der schwül-heißen Metropolregion, die gleichzeitig weniger als 1% Fläche der über 7000 philippinischen Inseln einnimmt. Das bedeutet: Manila ist voll! Voller Menschen aller Couleur. Voll von allen Extremen einer Millionenstadt. Volle Kanne Südostasien, sobald man aus dem Flieger steigt.

Manila, Philippinen - Unsere Reisetipps

   Manila - chaotisch und überfordernd. Trotzdem wollen wir bleiben.

Einst galt Manila als „Perle des Ostens“, aber diese Zeiten sind längst vorbei. Auch wenn Manila noch einen trüben Schimmer von der Pracht des spanischen Kolonialismus beherbergt, hunderttausend Jeepneys – zu Kleinbussen umgebaute Militärjeeps – die amerikanische Lässigkeit vergangener Besatzungszeiten am Leben halten oder der große Rizal-Park ein bisschen Grün ins viele Grau tupft, eilt Manila doch inzwischen der Ruf einer jeden asiatischen Mega-City voraus: arm, laut, dreckig.

Wohl deshalb, und weil die beliebten Urlaubsinseln der Philippinen am schnellsten mit einem direkten Weiterflug von Manila zu erreichen sind, sehen die meisten Reisenden von der Landeshauptstadt nicht viel mehr als die Ankunftshalle des Airports. Wir wollen trotz alledem drei Tage bleiben. Um den Jetlake auszuschlafen und um eine Realität der Philippinen zu erfahren, die man an weissen Puderzuckerstränden schnell mal vergisst.

Aber zuerst ein paar Formalitäten: Einreise-Visa abholen, SIM-Karten wechseln, philippinische Pesos abheben. Dann geht es mit einem Grab-Car, ein privates Taxi ähnlich wie hierzulande Uber, zu unserer Unterkunft ins Stadtviertel Makati. Es ist die einzige Bleibe, die wir schon in Deutschland gebucht haben.

MAKATI – TODMÜDE IN EINER STADT DIE NIEMALS SCHLÄFT

Unser Air BnB in Manilas Bezirk Makati ist ein Zimmer in der Wohnung von Mark und Christine, die ebenfalls gerade die Welt bereisen: klein, aber nett eingerichtet, recht ruhig und klimatisiert. AC-Zimmer sind sonst nicht unsere Prämisse, aber in Manila steht die Hitze tagsüber und schon auf dem unklimatisierten Flur der Unterkunft hat es um die 35 Grad.

Unser Abendspaziergang entlang der übervollen Makati Avenue wird ein direkter Jump-In ins grellbunte Nachtleben der Stadt. Makati ist das modernste Viertel Manilas. Noch vor gut 50 Jahren fand man dort ein weites Sumpfgebiet, in dem sich Kröte und Moskito leise gute Nacht sagten. Heute feiern, leben und arbeiten hier Wirtschaftsbosse, Marktköche, Touristen und Lady-Boys zwischen Luxushotels, Banken-Tower, verfallenen Wohnstätten und schäbigen Etablissements bis der Morgen anbricht. Zwei Stunden kommen wir da mit, finden noch eine kleine Bude, die uns ein bisschen Tofu und Limettennudeln brutzelt und dann sind wir endgültig erledigt.


Unterkü​​​​nfte in Makati


Unser Air BnB in Makati: Kleines Zimmer mit Gemeinschaftsbad &-Küche. Frühstück gibt es, aber nicht der Rede Wert. Zu Fuss ist man in ein paar Minuten an der belebten Makati Avenue, trotzdem relativ ruhig in kleiner Seitenstrasse gelegen. Kosten: 21€ (inkl. Servicegebühren).

Air BnB Appartement mitten im Entertainment-Viertel von Makati. Könnte funny werden, wenn der Abend anbricht!:) Mindestaufenthalt 2 Nächte. Kosten: 58€ (für 2 Nächte inkl. Servicegebühren).

Z-Hostel in Makati Hochgelobt ist die Rooftop-Bar mit tollem Ausblick über Manila. Andere Reisende berichten auch von einer kostenlosen Walking-Tour, einfach mal nachfragen. Kosten: 39€ für's Doppelzimmer inkl. Frühstück. Bett in verschiedenen Schlafsälen ab 12€/Nacht.

Ferienwohnung Vacation Rentals Makati Komplette Wohnung für 2 bis 4 Personen. In der Nähe der Greenbelt-Mall, Manilas Shopping und Food Tempel. Kosten: für 2 Personen 55€, für 4 Personen 61€ - lohnt sich also va. für Familien und kleine Reisegruppen.

Boutique Hotel La Casita Mercedes Ehrlich gesagt sind wir immer noch wehmütig, dieses super schnuckelige Hotel nicht schon eher entdeckt zu haben (war bei uns ausgebucht). Es sieht nach einer kleinen Oase in Manilas Großstadttrubel aus! Kosten: Doppelzimmer ab 36€, vegetarisches Frühstück ist inklusive.

RIZAL PARK – EIN GRÜNER TUPFEN IN MANILAS GRAU

Am nächsten Tag fahren wir zum Rizal-Park. Die riesige Parkanlage setzt dem philippinischen Nationalhelden José Rizal ein Denkmal und beschert Manila einen grünen Tupfen im Grau und ein wenig frischere Luft. Als wir ankommen schallt aus mehreren Lautsprechern Whitney Houston über den Platz. Schon nach einem Tag auf den Philippinen stellen wir fest, große Herzschmerzballaden sind bei den Philippinern immer noch ein Hit und werden voller Inbrunst im Taxi, Einkaufscenter, oder eben beim gemütlichen Parkspaziergang mitgeträllert. (Nachtrag nach 2 Monaten auf den Philippinen: Wir haben seit dieser Reise ein Ed Sheeran-Trauma)

Grandiose Stimmung ist auch im angrenzenden Chinesischen Garten, ein Thementeil des Rizal-Parks: Zwischen uralten Bonsaibäumen, geschwungenen Brücken, künstlerischen Pagoden und in Stein gemeißelten Lebensweisheiten studiert eine Tanzgruppe eine Choreografie zu Dean Martin's Allzeitklassiker „Sway“ ein. Herrlich! Wir lassen uns anstecken und tänzeln mit zig Ohrwürmern weiter nach Intramuros.

INTRAMUROS – MANILAS SPANISCHE SEELE

Tom und ich sind Altstadtkinder. Unsere Wohnung in Regensburg liegt mitten in der Weltkulturerbe-Altstadt und auch auf Reisen zieht es uns immer in die ältesten Gassen der Stadt. Historische Altstädte sind wie Keimzellen, dort wo alles begann und auf der ganzen Welt bunt, gemütlich und lässig. Genauso ist Manilas historischer Kern und ältestes Viertel Intramuros.

Intramuros war über 350 Jahre das Zentrum des spanischen Kolonialimperiums im Fernen Osten. Das Zeugnis dieser Baukunst überstand Feuer und Erdbeben, aber nicht den Zweiten Weltkrieg. Dass wir bei unserem Spaziergang wieder zurückversetzt wurden an unseren letzten Sommer in Sevilla und Valencia liegt an aufwendigen Restaurierungsarbeiten, die seit Jahren Manilas Wurzeln Stück für Stück frei legen.

Kaum tritt man durch die dicke Stadtmauer, weht einem europäischer Wind entgegen. Pferdekutschen klackern über das Kopfsteinpflaster, vorbei an massiven Steingebäuden mit verwinkelten, grün bepflanzten Innenhöfen. Der Verkehrspolizist in Hut, Stiefel und hellblauer Sheriff-Uniform steht mitten auf der Kreuzung.

Intramuros ist eine eigene kleine Stadt mitten in Manila und auf jeden Fall einen Besuch wert. Wir schlendern an der mächtigen Manila Cathedral vorbei und bezahlen ein paar wenige Pesos für den Eintritt ins Fort Santiago, eine alte Verteidigungsfestung aus spanischen Regierungszeiten. Nicht spektakulär, aber geht man bis ganz nach hinten, kann man eine kleine Pause mit Blick auf den Fluss Pasig und das gegenüberliegende Stadtviertel einlegen. 

Schon ein paar Strassen weiter ist man zurück in Asien. Kleine Kioske mit Chips und Süsskram unter Wellblechverschlägen und bunten Strassengirlanden aus alten Plastiktüten. Kinder ohne Schuhe spielen auf den Strassen, die hinter Intramuros schnell wieder breiter werden und jetzt voller hupender Roller, Tricycles (Mopeds mit Beiwägen), Minivans, SUVs und sich durchschlängelnder Radfahrer sind. Back to reality.

▶︎ REISE-TIPP:  Falls du mehr über das alte Manila erfahren und mit Locals zu den interessantesten Ecken von Intramuros kommen willst, schau dir doch mal die Walking-Touren von Old Manila Walks an.

Der Verkehr wird in Intramuros noch per Hand gesteuert
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Manila, Intramuros - Manila Cathedral
Pferdekutschen gibt es in Manila nur in Intramuros
In Manila trifft Modern auf Heruntergekommen

  Intramuros ist Manilas spanische Seele und etwas ruhiger als der Rest der City

UNTER BLECH & PAPPE – MANILAS SEITENSTRASSEN

Für den Rückweg nach Makati ordern wir wieder ein Grab-Taxi. Die fünf Euro sind es wert, der Erstickungsgefahr in einem Jeepney in Manilas Rush Hour kurz vor 17 Uhr zu entgehen. Unser Fahrer hält sich konsequent an sein Navi, das wiederum an eine Route, die sämtliche gängigen großen Strassen ausschließt. So brauchen wir eine gute Stunde für 10 Kilometer, stecken in Gassen fest, die kaum breiter als das Auto sind, stehen hupend in Wohn-Slums und sehen schon wieder ein anderes Gesicht Manilas:

Windschiefe, notdürftig zusammengezimmerte Behausungen mit kaum sichtbaren Eingängen, die alle zusammenkleben und wie ein Labyrinth von den Strassen in eine eigene Welt aus Blech und Pappe führen.

Junge Burschen, die auf ihren Rollern schlafen. Matratzen am Strassenrand. Ein kleines Mädchen mit einem noch kleineren auf dem Arm, daneben liegt ein Baby auf den Betonstufen eines Mini-Marktes.

Strassenränder gesäumt mit Plastikmüll, Autoreifen und Bauschutt. Löcher in den Strassen, so groß, dass Menschen darin einfach verschwinden könnten. Kichernde Mädchen in Schuluniform.

Tricycles, die sich an uns vorbei quetschen. Voll beladen mit Menschen, Kindern, Hühnern, Gepäck und Einkäufen. In Rauch eingehüllte Grillstände. Alte Frauen, die Bananen und Mangos und jede Menge China-Chips auf ihren kleinen Holzständen aufgebaut haben.

Schwere Herzen. Schmutzige Hände. Freundliche Gesichter.

▶︎ REISE-TIPP:  Die Organisation Smokey Tours bietet geführte Touren durch den Slum Baseco, um Touristen auch "das andere Manila" zu zeigen. Mehrere Reisende haben uns bestätigt, dass Smokey Tours sehr professionell und nachhaltig arbeitet. Die Einnahmen gehen zu 100% an NGOs, die sich in den Slums engagieren und es herrscht ein striktes Kamera-Verbot während der Tour. Alle Infos findest du hier. 

Armut in Manila - Slums

  Die Armut in Manila ist allgegenwärtig

38th FLOOR – EIN LETZTER BLICK AUF MANILA

Am nächsten Tag müssen wir noch einmal für eine Nacht die Unterkunft wechseln, weil wir nicht verlängern können und unser Bus zur nächsten Reisestation Puerto Galera auf der Nachbarinsel Mindoro erst am nächsten Morgen abfährt.

Wir ziehen um in eine zweckmäßige Unterkunft (aktuell nicht mehr bei Air BnB zu finden) im Stadtteil Eremita, der näher zur Bus-Station liegt. Etage 38 in einem der Beton-Riesen des modernen Viertels. Das Appartement hat ein Zimmer mit wenigen Quadratmetern, eine höllisch laute Klimaanlage – die wir als erstes ausschalten – und einen kleinen Balkon, der hoch über Manila schwebt. Knappe 100 Meter sind das bestimmt, trotzdem ist die Luft kaum klarer, das Hupen und Dröhnen kaum leiser, die Millionen Lichter kaum blasser.

Unsere Unterkunft zu organisieren (und zu finden!), die Bustickets zu besorgen (es gibt unzählige Terminals und Ticketschalter über ganz Manila verstreut – dieser hier war im hintersten Eck einer Hotellobby!) und irgendetwas Vegetarisches zu essen aufzutreiben kostet den halben Tag.

Deshalb nutzen wir abends lieber das gute WiFi und planen die nächsten Reisetage, als uns nochmal Manila bei Nacht zum Fraß vorzuwerfen. Noch ein letzter Blick vom Balkon über die leuchtende Skyline von Manila und wir kriechen schon wieder todmüde ins Bett.

Die ersten Tage auf den Philippinen waren staubig, laut und trotzdem bereichernd. Jetzt freuen wir uns auf Dschungel, Meer, Sand und grünen Balsam für die Seele.

Manila, Philippinen im Morgengrauen
Manilas Nachtleben Eremita

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