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braucht manchmal Zeit
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Traumleben auf Reisen in Portugal

Über zwei Leben, die irgendwie nicht lebendig waren. Von 1000 großen Fragen und unserer Idee vom Traumleben. Und wann wir wussten, dass es JETZT Zeit für einen Neuanfang ist.

August 2017. Tom und ich lagen unter einem riesigen Sonnenschirm auf der Terracotta-Terrasse unseres kleinen Hostels. Unsere Bücher haben wir beiseite gelegt. Zu ablenkend war das, was direkt hinter der mit Blumenornamenten durchbrochenen Balustrade lag: Meer. So weit, dass es für unsere Augen irgendwo mit dem Himmel verschmolz und uns in diesem Moment das Gefühl gab, dass nur wir beide und der Ozean existierten. Es waren die letzten Tage unseres ersten gemeinsamen Urlaubs auf Madeira. Ein Inselfleck, der rund zwei Stunden Flugzeit und schier endloses Blau zwischen sich und das portugiesische Festland gebracht hat.

AM MEER BEGINNT MEISTENS WAS GUTES

Die vergangenen zwei Wochen taten gut. Auf’s Meer schauen, über den Wolken auf dem Gipfel des Pico Ruivo die Sonne aufgehen sehen, 200 Buchseiten am Tag lesen, Bananen vom Baum essen und weiße Bikinistreifen. Endlich war wieder Frieden im Kopf. Und wir waren erleichtert, unsere erste gemeinsame Reise – die Feuerprobe für frisch Verliebte – nicht nur überstanden, sondern bis zum letzten Tag genossen zu haben.

Stell dir vor, wir würden jetzt einfach weiterreisen. Wir könnten nach Afrika… oder Brasilien“, sagte Tom. Unsere Köpfe machten sich sofort auf die Reise, versuchten dem Verstand zu erklären, dass wir alles Nötige schon dabei hatten und spuckten einen Schwall von Reiseplänen aus, die alle begannen mit „Wir könnten doch mal…“.

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WIR KÖNNTEN DOCH MAL

mit Jeep und Dachzelt die Gardenroute von Johannisburg bis Kapstadt fahren.

mit dem Roller von Hanoi bis Ho-Chi-Minh-Stadt düsen.

 im Van auf der Panamericana von Alaska bis Südamerika.

unter Sternenhimmel in der Wüste schlafen.

Bergluft in den Rocky Mountains schnuppern.

 auf Vulkane auf Hawaii klettern.

… mit Walhaien schnorcheln und Pinguine beobachten.

… mit dem Camper von Gibraltar bis zum Nordkapp reisen. (UPDATE 2018: Teil 1 gemacht – Geil war’s!).

BITTE KEINEN URLAUB MEHR!

Was da aus uns heraussprudelte war keine Bucketlist, sondern unser Traumleben: aufregend, mit dem Finger auf der Landkarte und voller unvergesslicher Erlebnisse.

Wir realisierten, dass unsere Sehnsucht nach Abenteuer viel größer war, als wir es uns bisher eingestanden haben; dass unsere Reisepläne viel gewaltiger waren, als unsere Kapazität an Urlaubstagen.

Urlaub. Das Wort fühlte sich noch nie richtig gut an. Immer ein bisschen wie ein viel zu dünn abgeschnittenes Stück Freiheit vom großen Batzen „Arbeit“. Wenn alles gut lief, war das einmal im Jahr ein Stück á 15 Tage, an denen wir höchst angestrengt versuchten, uns möglichst nicht anzustrengen.

Erschöpfung ausschlafen. Aufnahmestopp. Keine Entscheidungen. Nur Sein.

Das ist wichtig.

Aber eine wirkliche Reise beginnt erst danach. Eine Reise, die dich fordert, die Körper und Geist neu ankurbelt, die sich entwickelt und etwas mit dir macht.

Nach einer solchen Reise, nach dieser Art zu leben, sehnten wir uns: Unabhängig. In unserem Tempo. Im Einklang mit unserer persönlichen Entwicklung. Draußen. Mit genug Zeit, um Erlebnisse zu machen, Erfahrungen zu verarbeiten und Erinnerungen zu teilen.

Und obwohl wir das eigentlich schon immer wussten, haben wir uns in den letzten Jahren sehr erfolgreich zwei Leben aufgebaut, die uns genau das verwehrten.

Sonnenaufgang auf dem Pico Ruivo, Madeira

Madeira: Über den Wolken hat uns die Freiheit gefunden.

UNSER SCHÖN EINGERICHTETES HAMSTERRAD

Zwei gute Jobs, zwei schöne Wohnungen in bester Lage, genügend Geld für Ausgehen, Hobbies, Urlaub und alles Mögliche waren die glänzende Oberfläche unseres Lebens. Hektik, Stress, Zukunftssorgen, Versagensängste, Selbstzweifel und Überforderung lagen darunter.

„Aber eigentlich geht es ja allen so“, dachten wir.

„Eigentlich ist doch alles gut so wie es ist“, sagten die Anderen.

Eigentlich sollten wir zufrieden sein mit dem was wir haben, hat man uns beigebracht.

Eigentlich stimmt das alles.

Aber verdammt nochmal, wir waren doch nicht glücklich! Wissen wir jetzt…

Unsere beiden Bürojobs – Tom arbeitete im Sondermaschinenbau, ich im Konzertmanagement – fraßen Dreiviertel des Tages, die restlichen Stunden „Freizeit“ kämpften wir mit Besorgungen, Erledigungen oder gegen die große Müdigkeit. Montag bis Freitag verschmolz zu einem eintönigen und kräftezehrenden Zeitblock, den es in unseren Gedanken von Wochenende zu Wochenende zu überwinden galt.

Dann Samstag Morgen: Was machen wir zuerst? Einkaufen, Wäsche waschen, Küche putzen, laufen gehen, Familie besuchen, Postberg bearbeiten, mit Freunden treffen, Radtour, in die Berge fahren, das Boot rausholen oder endlich dieses eine Buch mal anfangen…?

Am Sonntag Abend folgte die bittere Erkenntnis: Wir haben nicht einmal die Hälfte davon geschafft und sind kein bisschen erholt.

Erschöpfung.

Wir wollen zusammen neue Wege gehen

Wir wollten neue Wege gehen

Auszeit vom Alltagsstress

...und wieder die Stille in uns spüren.

WIE HOCH HÄNGEN WIR DIE LATTE?

Diesen Rhythmus kann man bei einigermaßen guter körperlicher Verfassung, einem sonnigen Gemüt, wie es Tom und mir in die Wiege gelegt wurde, und einer verbleibenden Restfreude an seinem Job wohl ziemlich lange durchhalten. Hätten wir vielleicht auch die nächsten Jahre – wenn nicht Jahrzehnte – und es wäre okay gewesen.

Aber mal ehrlich: Wann geben wir uns denn mit okay zufrieden?

Wenn das Essen okay schmeckt, wechseln wir beim nächsten Mal doch lieber das Restaurant. Ein Outfit, das okay aussieht, tragen wir sicherlich nicht zum ersten Date. Ein Hotel, das okay ist, empfehlen wir noch nicht einmal unserem Nachbarn.

Warum also akzeptieren wir das sonst so gescheute Mittelmaß, wenn es um unsere eigene Lebensqualität geht?

  Geld, Anerkennung, Sicherheit

★  Angst vor Veränderung

  Absolut keine Ahnung, was die Alternative sein soll!

  Weil das Leben nun mal so ist…

Das waren unsere sparsamen Antworten und ganz ehrlich: Wir schämten uns, als wir die wirklich einmal ausgesprochen hatten.

Vor dem Leben, weil wir es so verschwendeten. Und vor uns selbst, weil wir die die Latte auf der Life-Quality-Skala auf „okay“ gelegt hatten und wir nun hier saßen und uns ernsthaft wunderten, warum wir nicht glücklich waren.

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HAST DU DICH MAL GEFRAGT

ob Du dein Leben genauso leben würdest, wenn Du dir um GELD keine Sorgen machen müsstest?

was in dir ENTHUSIASMUS auslöst und das Gefühl, einfach lebendig zu sein?

was deine TALENTE sind, deine wirklichen LEIDENSCHAFTEN?

wie Du ERFOLG definierst und ob deine bisherigen ZIELE überhaupt zu dir passen?

 wie für Dich ein wirklich ERFÜLLTES LEBEN aussieht?

UND DANN KAM DER MUTAUSBRUCH

Wir haben uns all das und noch 100 Fragen mehr gestellt, die wiederum 1000 Antworten übrig ließen. Kurz gesagt: Wir machten nicht nur ein Fass auf, sondern kippten gleich zehn davon um!

Wir haderten mit alten Entscheidungen, hinterfragten unsere Gewohnheiten und misstrauten allen Selbstverständlichkeiten, die sich in den letzten Jahren still und heimlich in unser Leben geschlichen haben.

Uns wurde klar, dass sich nichts verändern würde, wenn wir alles so belassen wie es ist. Das hier war nicht unser Traumleben und um dahin zu gelangen, mussten wir etwas riskieren. Wir brauchten neue – positive – Gedanken und frische Ideen und für die eine andere Umgebung: Weite, Stille, Abenteuer und das Meer.

Wir hatten uns entschieden: Wir kündigen. Wir reisen.

Icon Merker - Das werden wir nie mehr vergessen

Wir alle haben zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn du realisierst, dass du nur eins hast.

Auch waren wir uns einig, dass wir kein Sabbatical planen – Tom hatte sich schon einmal sechs Monate Auszeit aus dem Berufsleben freigeschaufelt und wusste nur zu gut, wie schnell das gefürchtete Hamsterrad danach wieder Fahrt aufnimmt. Es war Zeit für einen Neuanfang.

Trotzdem hatten wir nie das Gefühl, auszusteigen. Eher umzusteigen.

Wir möchten die Spur wechseln, Tempo rausnehmen und öfter die Richtung wechseln. Uns neu verorten, einfach mal Möglichkeiten ausloten und wieder Chancen wahrnehmen.

Wir suchen nicht nach mehr Freizeit und weniger Arbeitszeit, sondern nach besserer Lebenszeit.

Wohin unsere Reise von nun an geht und wer wir persönlich in einem, drei oder fünf Jahren sein werden, steht in den Sternen (und wir denken, hier auf dem Blog :D).

Spannend. Endlich wieder…

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Gleich weiterlesen: Ein halbes Jahr im Camper - Unsere innere Reise

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