Endlich schwappt eine grüne Welle durch die Gesellschaft. Nachhaltigkeit ist gerade in aller Munde, ein Trend, der endlich rauskommt aus der linken Bio-Ecke und rein ins kollektive Bewusstsein. Plastikfrei, weniger Müll, Veganismus und Co. – viele wollen das endlich angehen, denn die Sehnsucht nach einem leichteren, naturnahen und nachhaltigem Leben ist so groß wie nie! Doch bedeutet der Einstieg in einen nachhaltigeren Alltag für die meisten auch eine echte Lebensumstellung und immer wieder trennen uns vor allem unsere mentalen Hürden von einem umweltbewussten Lifestyle.

Werfen wir also mal einen Blick auf die Herausforderungen und Schutzschilder, auf dünne Ausreden und fette Schweinehunde, die dich (noch) von einem nachhaltigen Leben trennen.

Warum dein Start in ein nachhaltiges Leben noch nicht klappt

TIPP 1: Start where you are – but START!

News, Magazine, Social Media sind voll mit Fakten, Tipps und endlos vielen Möglichkeiten für mehr Nachhaltigkeit: „Dies könntest du umstellen und jenes verbessern! Schau doch mal hier und achte immer da drauf…!“ Tausend neue Produkte – mal organic, mal fairtrade, mal recyceltes Plastik. Und tausend Fragen – denn was ist jetzt besser: Bio oder regional? Vegan oder unverpackt? Dann die Horror-Vorstellung: Feierabend bei Rewe und dann auch noch Etiketten nach Palmöl durchforsten. Urlaubsplanung. Eh schon teuer und jetzt auch noch CO2 kompensieren?

WOW. Fängt man erstmal an, sein Leben zu hinterfragen und auf grün zu krempeln, kommt man rasend schnell vom Hundertste ins Tausendste. Gerade noch sucht man nach der unverpackten Biogurke und landet bei einer Petition gegen die Abholzung des Regenwaldes. Plötzlich ist dir alles viel zu viel und irgendwann der Punkt erreicht, an dem du vielleicht verzweifelt kapitulierst und sagst: „Dafür habe ich echt keine Zeit! Sorry, aber aus mir wird wohl doch kein Öko!“

Durchatmen. Wusa.

Nachhaltiger Leben bedeutet eine Lebensumstellung und vor allem eine neue Lebenseinstellung – nicht gleich ein neues Hobby, für das du dir eine extra Seite im Terminkalender reservieren musst. Und du musst auch nicht in jedem Lebensbereich ein Nachhaltigkeits-Profi werden (dafür gibt es Blogger, die das mit Leidenschaft machen!:). Also, start where you are! In einem Bereich, der dir leicht fällt und Freude macht. Wir nehmen uns alle viel lieber Zeit, für Dinge, die uns wirklich interessieren und begeistern. Ein paar Ideen:

  • Du bist eine Fashionista und interessierst dich für Mode? Dann geh auf die Pirsch nach einem schicken Fairfashion-Label oder zeig mal deinen Girls, wo Second-Hand-mäßig der Hammer hängt!
  • Du schwingst leidenschaftlich den Kochlöffel? Probier doch mal aus, deine heiligen Küchenhallen nachhaltiger zu gestalten! Entwirf ein regionales Menü oder back einfach mal zum Spass vegan Kuchen…
  • Du bist ein Putzfreak? – Soll es ja geben!:) Es gibt super wirkungsvolle Reinigungsmittel von Mutter Natur! Wasch- und Putzmittel selbst zu machen, ist übrigens auch für Kids ein Riesenspass!
  • Hello Beauty-Queen? Schau mal, was es für tolle Naturkosmetik gibt, die besser für deine Haut und die Umwelt ist! Wer schön sein will, muss leiden ist so yesterday!

Wir alle haben ein bisschen WELTRETTEN in uns.

Aber es ist ok, wenn du erstmal nur einen Menschen rettest.

Und es ist ok, wenn dieser Mensch du selbst bist.

TIPP 2: Sag ja zu deinem nachhaltigen leben – laut! 

Geschmack, Gewohnheit, Gemütlichkeit. Die drei grossen „G“, die jeden ausgeklügelten Diätplan, das teure Fitness-Abo, sämtliche guten Neujahrsvorsätze und eben auch das Vorhaben, nachhaltiger zu leben, in Null Komma Nix platt machen.

Unser Alltag heisst Alltag, weil er durchzogen ist von festen Abläufen, die wir ohne nachzudenken – das heißt ohne großen Energieaufwand – abspulen können. Manchmal langweilig, aber spart über den Tag verteilt enorme Leistungsressourcen. Lebensbereiche wie Essen, Haushalt, Einkaufen, häufig benutzte Wege und Fahrzeuge oder seit Jahren gewohnte Produkte sind so fest in unserem Daily Life verankert, dass hier jede noch so kleine Veränderung nach Arbeit riecht und bei vielen Menschen Stress auslöst. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

▶︎ GOOD NEWS! Sobald du mal ein paar Schritte zu einem nachhaltigeren Leben gewagt hast und am Ball bleibst, entwickeln sich rasend schnell neue Gewohnheiten – weil: Gewohnheitstier. Um eine Veränderung in sein Leben zu integrieren und neue, anhaltende Routinen zu entwickeln, dauert es ca. drei Monate, sagt man. Danach kann man es sich kaum vorstellen, dass es jemals anders war. 

Denk mal an den letzten Umzug oder die ersten Wochen im neuen Job: Erst alles neu und ungewohnt, aber man „verpflichtet“ sich in solchen Situationen ja irgendwie zur Anpassung und Eingewöhnung, weshalb es meistes auch kein grosses Ding ist.

​Ein wirklich starkes – auch mal laut ausgesprochenes – JA! zu mehr Leichtigkeit und Umweltbewusstsein in deinem Leben kann ein ähnlich starkes Signal zum Umschwung sein und beschleunigt die Gewöhnungsphase enorm!


Also, hau mal ordentlich mit der Faust auf den Tisch, sag zu dir selbst: „Yeah, Baby! Wir rocken das!“ und du wirst sehen, wie vertraut und unverzichtbar schon bald der Stoffbeutel in deiner Handtasche, die frische Luft beim Radlfahren, der Vanille-Soja-Yoghurt oder whatever ist. 

Nachhaltigkeit im Alltag - Hürden und Schwierigkeiten
Nachhaltig leben bedeutet eine Lebensumstellung

TIPP 3: Mach Langsam– Held werden braucht seine Zeit!

Jeden Tag Sport, nie wieder Rauchen, ab morgen vegan, komplett ohne Plastik… Warum funktionieren solche – wenn auch sehr ehrenwerte – Vorsätze eigentlich nie? Weil wir uns viel zu viel auf einmal vornehmen. Am Anfang ist man noch voll motiviert und hängt sich die Messlatte ganz nach oben – weil Warum nicht? und ab morgen wird ja eh alles anders! Tschakka!

Cooler Plan, aber der Realitycheck sagt: vollkommen falscher Weg! Denn mit jedem Mal, wo wir diesen hohen Selbstansprüchen nicht gerecht werden, macht sich Frustration, Enttäuschung und Spott derer breit, die sowieso von vornherein gesagt haben, dass das alles nix wird (prädestiniert: Partner, Eltern, Arbeitskollegen). Das Ende vom (kurzen) Lied: Wir geben auf und übersehen oft dabei die kleinen Erfolge, die wir doch schon längst hätten feiern können.

Jede Umstellung braucht Zeit: um wie eben gesagt, Routinen aufzubauen, unsere innere Reise mitzuverfolgen, uns sprichwörtlich mit dem Neuen anzufreunden. Eine selbst gewählte Veränderung ist eine mutige und kraftvolle Entscheidung, muss aber kein scharfer Cut sein. Ein umweltbewusstes und nachhaltiges Leben kann deinen Alltag in vielen Bereichen unkomplizierter machen und dich um so vieles bereichern. Der Weg dorthin darf sich entwickeln – auch langsam – und Spass machen.

▶︎  Weltretten ist cool, aber alle Helden fangen mal mit dem ersten Schritt an!

Nachhaltiger leben - wie starte ich?

TIPP 4: Erst DIE leichte Kost, dann die schweren brocken!

Was ich auf unserer Reise zu mehr Nachhaltigkeit festgestellt habe: Es gibt Bereiche, wo schon eine kleine Veränderung sehr viel bewirkt und den meisten Menschen ziemlich leicht fällt. Dazu zählen zum Beispiel die Themen rund um Plastikvermeidung, natürliche Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel oder Energiesparen.

Und dann gibt es die schweren Brocken: Themen wie Ernährung, Mobilität, Mode und Reisen, die meistens nicht so einfach von heute auf morgen auf grün gedreht werden können. Gar nicht mal so sehr, weil sie besonders komplex wären, sondern vielmehr, weil hier eine milliardenschwere Industrie – Foodkonzerne, Autoindustrie, Modelabels und der Tourismussektor – mit im Spiel sind, die von uns alles möchten, aber bloß nicht, dass wir deren Konzepte und Produkte hinterfragen.

Was eine Veränderung hier zusätzlich erschwert: All jene Lebensbereiche sind wahnsinnig emotional aufgeladen und mit Traditionen, einem Zugehörigkeitsgefühl, Statussymbolen – ja, mit unserem ganzen Persönlichkeitsbild verknüpft. Kurzum: Diese Bereiche würde ich im zweiten Step angehen, da sie eine gute Informationsgrundlage und eine tiefergehende Veränderung bei dir selbst voraussetzen – aber auch eine enorme Bewusstseinssteigerung bewirken.

Es ist also ganz normal, dass du dich am Anfang super gut mit fester Seife und dem Verzicht auf Alufolie arrangieren kannst, bei Veganismus oder dem Gedanken an ein Leben ohne Auto der Spass aber erstmal aufhört. Ist ok! Ein bewusster Lifestyle ist deine ganz persönliche Reise. Stärke dich mit leichter Kost, bevor die schweren Brocken anpackst!

Nachhaltiger leben - auch eine Frage der inneren Haltung

TIPP 5: NIMM's mal persönlich!

Ok, jetzt kommt ein Punkt, der vielleicht weh tut, der mich selbst wütend und emotional macht und den ich versuche zu klären, ohne dich belehren zu wollen und komplett ins Nirwana abzudriften. Let’s try it!

Ich gehe fest davon aus, dass du gegen Tierleid, Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzung, Ausbeutung, Urwaldrodung, Luftverseuchung und Wasserverschmutzung bist. Die allermeisten sind dagegen. Und trotzdem passiert all das jeden Tag, jetzt gerade – für Produkte und „Lebensmittel“, die wir täglich konsumieren.

Ich muss das selbst erst immer wieder sacken lassen…

Das zu lesen tut weh. Und wir wissen das auch eigentlich alles. Trotzdem kaufen, essen und leisten wir uns all diese Produkte immer wieder, für deren Herstellung all dieser Weltschmerz in Kauf genommen wird. Warum?

Der Grund, warum viele nicht genauer hinsehen, ist schlicht Selbstschutz, weil die Realität grausam ist. Der Grund, warum wir nichts dagegen tun, ist leider noch viel banaler: Es betrifft uns nicht.

Zumindest denken wir das. Smog in Peking, Hunger in Bangladesh, Müllberge auf den Philippinen, Massentierhaltung hinter hohen Mauern. Alles so schlimm. Alles weit weg. Aber was können wir schon tun?

zeig mal echtes mitgefühl

Stellen wir uns mal für eine Minute vor, unserer Großmutter zuzumuten, ihre Kleider per Hand in einem chemieverseuchten Fluss zu waschen. Unsere Kinder 12 Stunden am Tag an eine Nähmaschine zu zwingen. Oder unsere gesunde Katze Mimi zum Schlachter zu bringen, weil sie nach vier Jahren am besten schmeckt.

Klingt makaber? Sorry für die Bilder, aber nur mit solchen Vergleichen brechen wir mal unseren meterdicken Schutzpanzer auf und begreifen, was wir einfach nicht wahrhaben wollen: Wir lassen leiden, wir fördern Ungerechtigkeit, wir lassen zerstören. Das alles passiert auf der Welt und wir tragen unseren Anteil. Und verfolgt man die Lieferkette unserer T-shirts, Burger, Fernseher und Autos leuchtet der direkte Draht zwischen unserem Wohnzimmer und vielen Krisengebieten auf diesem Planeten feuerrot auf.

NACHHALTIG LEBEN HEISST SICH VERBUNDEN FÜHLEN

Es führt leider kein Weg vorbei: Wir müssen dem Unheil, dem Leid und der Not, die wir durch unsere Gewohnheiten verursachen, mal ins Auge blicken. #sorryheilewelt

Das alles an sein Herz zu lassen, ist manchmal schmerzhaft. Aber das macht uns alle wieder menschlicher, mitfühlender, achtsamer und bewusster. Und genau das braucht diese Welt: DICH mit deinen natürlichen Emotionen, deiner Empathie und deinem Wissen, das alles auf diesem Planeten in Verbindung ist – egal ob wir das nun aus wirtschaftlicher oder spiritueller Sicht sehen.

Ja, diese emotionale Verbindung zur Natur, Menschen und Tieren ist eine Herausforderung, vor allem weil sie oft so hilflos macht, schließlich können wir alleine ja doch nicht die Welt retten. Aber diese Verbindung erdet auch, macht stärker und motiviert uns jeden Tag dazu, trotz aller Missstände und persönlicher Hürden aktiv zu werden und für die Werte einzustehen, die uns wichtig sind: Freiheit, Liebe, Fürsorge, Respekt.

Mein Tipp, der wohl am meisten verändert für dich: Open your heart and see what will happen!


Wenn du dich bei dem ein oder anderen Punkt wiedergefunden hast, nimm es an – liebevoll und mit einem Lächeln. Nobody is perfect und alleine die Tatsache, dass du gerade hier bist und diesen Artikel bis zum Ende gelesen hast, zeigt deine Offenheit (und vielleicht auch die Sehnsucht) für ein nachhaltig gutes Leben.

Wir hoffen sehr, dass der ein oder andere gute Tipp für dich dabei war und vielleicht sogar eine Hürde im Kopf gefallen ist! Wir freuen über deine Gedanken dazu in den Kommentaren und wenn du den Artikel teilen möchtest - Sharing is Caring!

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